Politischer Zoff-Thread oder so

  • Zu Amerika ganz kurz: Da ist viel zu viel Spökienkiekerei in der Debatte in DE. (Um mich hier darauf zu beschränken.) Die Stunde der Wahrheit ist die Abstimmung im Senat, alles andere ist fast sekundär.


    Amerika ist in einer ausgewachsenen Verfassungskrise. Nicht nur ist, wie oben erwähnt, praktisch alles, was Rang und Namen hat, in die Ukraine-Verschwörung aktiv involviert (Neustens: Nunes höchstpersönlich, aber am Entscheidensten ist eigentlich Barr, der Justizminister, der, wie sich mehr und mehr herausstellt, Trumps neuer 'Fixer' ist. Also die Rolle hat, die Cohen früher hatte. In Pulp-Fiction-Terminologie: Mr. Wolf. Einen Justizminister als Leichenbeseitiger zu haben, ist natürllich eine Hausnummer.), insbesondere hat die neue Administration vor allem ein Rekord-Tempo an den Tag gelegt, was Richter-Besetzungen angeht.


    Und das ist natürlich ein Problem. Die Justiz und die Exekutive haben bereits versagt. Barr hat die Mueller-Ermittlungen einstellen lassen, Mueller selber hat sich in jeder Hinsicht äußerst defensiv verhalten. Trotz der Schwere der Vergehen gäbe es momentan gar keine Handhabe, hätten die Demokraten nicht in den Wahlen 2018 die Mehrheit im House bekommen. Das darf man nie vergessen, dass Amerika praktisch bereits in den Faschismus abgerutscht ist. Nur, dass die Demokratie nicht schnell genug demontiert werden konnte, haben wir zu verdanken, dass der Kampf noch offen ist. (Wobei man klar dazusagen muss, dass, selbst wenn alles gut ausgeht, bereits jetzt ein immenser Schaden angerichtet ist.)


    Neben dem Senat wird es auch auf die Justiz ankommen. Die Justiz wird benötigt z.B. um Aussageverweigerung (die drüben an der Tagesordnung ist) zu unterbinden und zu ahnen. Hier ist das Problem, dass juristische Verfahren natürlich wie geschaffen sind für Zeitspiel, "to run down the clock", was ganz offensichtlich die Strategie von Trump ist. Die Demokratische Strategie ist, _nicht_ auf entsprechende Urteile zu warten. Die vorliegenden Beweise wiegen schwer genug, d.h. das Verfahren wird auch so durchgeführt und falls der Senat ebenfalls aktiv auf den Fascho-Zug aufspringt und Trump trotz massivem Machtmissbrauchs nicht enthebt, wird auf die Wahlen 2020 gesetzt.


    Das alles ist so oder so unbefriedigend und eine Katastrophe. Wohingegen es oft genug als Popularitätswettbewerb dargestellt wird. Ekelhaft.

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  • Trotzdem wird Trump wiedergewählt; mein Wort drauf. Hinten kackt die Ente, egal was vorne gegen Trump gefüttert wird.

  • Das wäre tragisch in meinen Augen.

    Ich würde ja schreiben, damit ginge ein Verlust an Glaubwürdigkeit in der Politik eines demokratischen Vorreiterstaates einher, aber das klänge, als sei die Politik vorher besonders glaubwürdig gewesen. Das war sie in meinen Augen nicht (dasselbe trifft auf Deutschland und eigentlich alle demokratisch geführten Länder zu).


    Aber es macht dennoch einen gigantischen Unterschied, ob ich einen notorischen Lügner und Narzisst an der Spitze habe, oder einen Menschen wie z.B. Obama, dem ich grundlegend andere Motive für sein Handeln unterstelle.

    Und dem ich zutraue, sich morgens die Reihenfolge von Unterhose, Hose und Schuhe ohne Spickzettel merken zu können.


    Auch das Signal an die Welt, das von einer USA unter einem Schwachkopf ausgeht, könnte kaum verheerender sein.

    Unzuverlässig, unberechenbar, verlogen, widersprüchlich sind nur ein paar Adjektive dazu.

  • So siehst Du ihn, und ich auch. Aber Millionen Amerikaner und möglicherweise auch viele andere Menschen auf dem Erdball sehen ihn nun mal nicht so, sondern weitaus positiver.

  • Man hofft halt, dass diejenigen, die ihn gewählt haben, um irgendjemandem einen reinzuwürgen, erkennen, dass dieser irgendjemand (zumindest in den meisten Fällen) letztlich sie selbst waren.


    Sicher bin ich mir da keineswegs.

  • Die Frage, ob Trump wiedergewählt wird, schreit ja nahezu nach einer Wette ( Einsatz eine Flasche Linie).

    Aber diesmal wette ich nicht nicht, denn ich bin zwar überzeugt, dass er wiedergewählt wird (Begründung lieferte 4no1), aber ich wette ungern auf ein in meinen Augen negatives Ereignis.


    Ich bin nicht der Überzeugung, dass genügend Menschen (Trump-Wähler) "zur Vernunft" gekommen sind. Trump punktet mit seinen populistischen Parolen und damit, dass er mit aller Macht versucht, seine (größtenteils m.M.n. abstrusen ) Versprechen durchzusetzen - ohne Rücksicht auf Verluste. Und "America first" hatte immer seine Anhänger und wird sie auch zukünftig haben. Ebenfalls egal, was das für Konsequenzen hat.

  • Dann wette ich eben mit Dir.

    (Gehe davon aus, dass das der wirkliche Grund Deines Traurigseins ist und nicht der Umstand, dass in einem fernen Land Rednecks auf gelbhaargefärbte Milliardäre stehen.).

    Einmal editiert, zuletzt von 4no1 ()

  • Bon. Linie.


    Natürlich ist das übel. Und mir wäre auch deutlich wohler, wenn er Liechtenstein-Chef wäre. (Obwohl ich da ab und zu vorbeifahre und es relativ nah dran erscheint...).

    Einmal editiert, zuletzt von 4no1 ()

  • George W. Bush hatte doch auch mal eine enge Wahl, die ebenfalls mit dem antiqui... äh... altbewährten Wahlsystem zusammenhing. Irgendwas und irgendwer in Florida. War das nicht dessen Wiederwahl? Also nach der gelungenen ersten Amtszeit?


    Ja klar, Trump ist nochmal comichafter als W. Aber inzwischen gibt es eine Generation Fox News-, Breitbart- und Facebook-Zuschauer dazu. Es gibt m.W. immer noch die Hürden für eine Wahlteilnahme (erst Paß beantragen, dann für die Wahl registrieren, wer weiß was sonst noch). Das ist schon eine Vorauswahl. Also voreilig ausschließen würde ich da nichts.


    Die Leute gehen ja auch seit Jahrzehnten nach Burger King, McDonald's & Co. hinne, obwohl sie wissen, daß der Burger aus der Pappschachtel irgendwie nicht so geil aussieht wie auf dem Werbeplakat. Na und? Das schadet weder dem Image noch dem Umsatz. Burger haben wollen. Und zwar den Neuen aus der Werbung und den aus dem Monatsangebot. Mit dem Auto abholen oder bringen lassen. Läuft.


    (Ich wähle nicht Trump und gehe trotzdem manchmal zu Burger King.)

  • Erst einen Paß beantragen und dann für eine Wahl registrieren lassen,klingt für mich erst einmal sehr nachvollziehbar.

  • Viele haben halt dort keinen (aktuellen) Paß. Und wir hier müssen uns nicht für eine Wahl registrieren.


    Man kann Leute dazu ermutigen zur Wahl hinzugehen. Man kann auch Hürden aufbauen und so einige entmutigen.


    In Belgien gibt eine es z.B. Wahlpflicht. Wer sie ignoriert, hat seit 2003 keine Strafe zu befürchten. Aber das Wort Pflicht allein sorgt schon dafür, daß sich die meisten zur Abgabe eines Wahlscheins bewegen. Das sorgt nicht unbedingt für eine bessere Politik. Aber für eine Wahlbeteiligung von regelmäßig 95% statt 75% (Deutschland) oder 55% (USA).


    https://en.wikipedia.org/wiki/…es_presidential_elections

    https://de.wikipedia.org/wiki/…eiligung#Bundestagswahlen

    Zitat

    [...] Bei einer vergleichsweise hohen Wahlbeteiligung von 94,1 %, die wohl größtenteils auf die belgische Wahlpflicht zurückgeht, [...]

  • Viele haben halt dort keinen (aktuellen) Paß. Und wir hier müssen uns nicht für eine Wahl registrieren.

    "Hier" gibt es Einwohnermeldeämter und ein Meldegesetz - gibt es in den USA nicht.


    Dennoch ist klar, dass in den USA die Pflicht, sich vorher zu registrieren, eine Hürde bedeutet, zumal die Bundesstaaten das auch noch mit weiteren Hindernissen verbinden.

  • Nee. Kann man vom Ausmaß her überhaupt nicht vergleichen, zudem gibt es Bestrebungen, das zu unterbinden, praktisch nur von demokratischer Seite.


    Gerrymandering ist halt auch fest verbunden mit, um einen nicht ganz passenden, aber treffenden Begriff anzuführen, racial profiling. Und Arm gegen Reich.


    Die Sache ist eigentlich recht einfach: Die Republikaner würden ohne - mehr oder weniger - dreckige Tricks keine Wahl auf Bundesebene mehr gewinnen. Schon seit langem. Auch die letzte Präsidentenwahl hatten sie 3 Millionen Stimmen weniger. Die Bevölkerungsentwicklung ist halt letztlich gegen verbissene, alte weiße Männer, und das ist ja auch gut so.


    Gerrymandering muss man natürlich aus vergleichsweise legitime Strategie ansehen im Vergleich zur Manipulation der Wahlen mithilfe von Ausnutzung der Machtposition der USA international und der Verschwörung mit Diktatoren. Deswegen verstehe ich auch dieses ganze Gerede um Trump nicht. Es geht nicht um Trump. Es geht um die (Rumpf-)Demokratie drüben. Wird Trump nicht entfernt, kann er sich alles erlauben. Versuchen tut er's ja jetzt schon, aber wenn die parlamentarische Kontrolle und damit die Gewaltenteilung jetzt auch versagt, ist Schicht im Schacht.