Politischer Zoff-Thread oder so

  • Liebe Freunde,

    Vielleicht habt ihr es schon in den Nachrichten gesehen, dass es in Chile zu sehr heftigen sozialen Unruhen gekommen ist und der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Begonnen hatte alles mit dem Protest gegen der Fahrpreiserhöhung der Metrotickets. Vier Cent mögen nicht viel sein, aber der durchschnittliche Lohn beträgt hier weniger als 500 Euro und das Leben ist teurer als in Deutschland. Das war aber der letzte Tropfen der ein Fass zum Überlaufen brachte.

    Es ist alles teuer im Land und man muss sich verschulden , um seine Familie zu ernähren. Dazu kommt, dass die Wirtschaft macht , was sie möchte und Raubbau an der Natur betreibt. In den Vororten von Valparaiso und auch Concepcion ist die Umwelt vergiftet, aber keiner wird zu Rechenschaft gezogen. Die Bildung ist teuer und schlecht. Die Mieten sind unbezahlbar.

    Seit vorgestern knallt es überall. Es ist komplett außer Kontrolle geraten.
    Am Freitag explodierte das Land förmlich. Von Norden bis Süden gibt es jetzt Überall Proteste gegen die wachsende Armut, die soziale Ungleichheit, den Raubbau an der Natur usw. Es gibt überall Barrikaden, die Fenster der Banken und Immobilienfirmen werden eingeschlagen und Supermärkte geplündert.

    Concepcion gibt es sehr heftige Proteste und Plünderungen. Tränengas und der Gestank von brennenden Autoreifen hängen permanent in der Luft. Sirenen hört man die ganze Zeit. Die Mall musste schließen. Das Zentrum gleicht einem Schlachtfeld. Kaum ein Supermarkt wurde nicht aufgebrochen. Auf den Autobahnen werden die Mautstationen angezündet.

    Ich habe am Samstagabend auch an einer Demonstration teilgenommen, die zunächst friedlich war und mit der Plünderung eines Supermarktes endete.Daraufhin kam die Polizei und schoss mit Tränengas und Gummigeschossen, worauf ich lieber nach Hause gegangen bin.Ich unterstütze die Proteste, habe aber etwas gegen die Plünderungen. Andererseits verstehe ich die auch, denn die großen Ketten verdienen zu viel Geld, was das Volk nicht hat.

    Mittlerweile ist das Militär auf der Straße und herrscht Ausgangssperre von 20 - 6 Uhr. Wird man in der Zeit auf der Straße erwischt, hat das Militär das Recht die Menschen zu verhaften und sogar zu erschießen. Weil das allerdings Maßnahmen aus Zeiten der Pinochet-Diktatur sind, wehren sie sich dagegen. Es gibt trotzdem Barrikaden und die sogenannten Cacerolazos, die aber friedlich sind. Dahinter beginnt um 20 Uhr ein großes Topfschlagen, um Lärm zu machen, mit dem man dem Militär zeigt, dass man es nicht haben will. Die Unterstützung im Volk für die Proteste ist groß, weil alle die Schnauze voll haben.

    Am Montag gibt es eine Großdemo, zu der wir auch gehen werden. Sobald die Stimmung kippt, werden wir natürlich die Demo verlassen.

    Was hier im Land seitens der Politik und Wirtschaft passiert, ist nicht mehr ertragbar.


    Keine Sorge, ich passe auf mich auf.

    Viele Grüße

  • Böhmermann zu SPD. Hach, kommt doch nochmal Bewegung in den erstarrten deutschen politischen Diskurs?


    Ach nee, ist ja nur Satire.


    Dabei hat er ernsthaft Recht. Aber sowas von.


  • Der hat doch hier (bei mir) mitgelesen.


    Wenn's nicht so offensichtlich und traurig wäre.



    Florian : Alles Gute deinen Mitmenschen und dir. Auf dass sich etwas zum Guten ändert.

  • Ich war heute den ganzen Tag auf der Straße bei einer an sich friedlichen Demonstration, bei der uns die Polizei permanent mit Tränengas und Gummigeschossen beballert hat. Morgen geht es weiter.

  • wir haben inzwischen die dritte Nacht mit Ausgangssperre und die Situation hat sich noch kein bisschen beruhigt. In den Straßen von Santiago schießt das Militär auf Zivilpersonen. In Talcahuano haben Soldaten einen 22-Jährigen überfahren. Die Ausschreitungen und Plünderungen halten an, aber die Regierung reagiert völlig unfähig. Sebastian Pinera sprach davon, dass das Land im Krieg sei. Gegen wen? Inzwischen wird in allen Städten des Landes demonstriert und keiner geht zur Arbeit.


    Ich war heute bei einer Demonstration, die sehr friedlich begann, bis die Polizei anfing mit Gummigeschossen und Tränengas rumzuballern. Dass dann Gegenwehr entstand, ist logisch, dennoch behielt die Mehrheit die Ruhe und verteidigte sich nur mit Protestrufen. Selbst die mögliche Plünderung eines Supermarktes wurde durch die Demonstranten selbst verhindert. Die Demo dauerte bis zur Ausgangssperre um 18 Uhr. In der Zeit habe ich soviel Tränengas eingeatmet, dass ich glaube, es macht mir nichts mehr aus.


    Abends brannte dann ein Baumarkt im Zentrum ab. Man wird die Vermutung nicht los, dass er vom Militär selbst angezündet wurde, denn aufgrund der Ausgangssperre war niemand sonst auf den Straßen. Solche Aktionen wurden schon häufiger von Polizei und Armee durchgeführt. Im Internet kursieren zahlreiche Videos, die zeigen, wie die Polizei Barrikaden baut und Busse entflammt.


    Später fiel auf einem der Strom aus und man hörte plötzlich Schüsse. Wir wissen aber nicht, was da passiert ist. Auch hier kann ich mir vorstellen, dass das Militär uns den Strom abgestellt hat.


    Wie dem auch sei: Uns geht es gut. Die Kinder haben natürlich Angst, aber wir versuchen möglichst normal mit ihnen den Tag zu gestalten. Sie haben schulfrei, weshalb wir in der Uni Fußball spielen oder Radfahren. Zu den Demos geht immer nur einer von uns.


    Ich habe jedenfalls eine riesige Wut gegen den Staat im Bauch. Wenn ich keine Kinder hätte, würde ich auch mit Steinen auf Polizei- und Militärfahrzeuge schmeißen. So halte ich mich aber zurück und rufe nur das, was alle rufen. Auf den Demos sind Leute jeglicher Art und keineswegs nur Krawallmacher.

  • Endlich wird auch mal über Meinungsfreiheit, Meinungsdiktatur, Meinungskorridor diskutiert.


    Maischberger - Die Woche


    Ich frag mich was nur passiert ist, früher habe ich das nicht so sehr erlebt. Klar ist, man darf sagen was man will aber dann bekommt man auch die entsprechende Antwort. Neu ist, dass wenn man Fakten erzählt, die nicht einer Ideologie entsprechen die momentan bei vielen in ist, man ziemlich runtergemacht und angefeindet wird. Teilweise kommen sehr harsche und unpassende Vergleiche, das kannte ich bisher so noch nicht. Auch dass es einige Gruppen gibt die der Allgemeinheit ihre Meinung mit verbaler Gewalt aufdrücken wollen. Liegt es am Internet und den vielen Seiten wo man kommentieren kann?